• Jeff Hardy - Imagi-Nation
Eine Reise durch die Imagi-Nation
Bericht eines WWE Magazin Reporters - Ausgabe Mai 2003

Eines der Grundlagen des guten Sports-Entertainment-Journalismus ist es Zeit außerhalb des Rings mit den WWE Superstars zu verbringen. Das erlaubt einem Reporter nicht nur zu sehen, wie das Objekt seiner Geschichte agiert, denkt und fühlt, sondern es gibt ihm auch die Gelegenheit den eigenen Stil kennenzulernen. Das Endresultat ist, dass die WWE Fans einen besseren Einblick bekommen, wer der Superstar wirklich ist.

Normalerweise ist es ein sehr sicherer und angenehmer Teil des Jobs. Es könnte bedeuten einen Abend mit Kevin Nash in der Stadt zu verleben, nach Washington State zu fliegen, um etwas Zeit mit Ivory zu verbringen, mit Chris Nowinski durch die heiligen Hallen von Harvard zu schreiten oder sogar den wunderschönen Süd- Pazifik zu besuchen, um Rikshi's Wurzeln zu erforschen.

Mein Redakteur rief mich kürzlich in sein Büro, um einen anstehenden Auftrag zu besprechen, was eine Reise notwendig machen würde. Ich konnte es daher kaum erwarten zu hören was er im Sinn hatte. Ich hatte keine Ahnung was anstand. Die Unterhaltung verlief in etwa so:

Redakteur: Williams, wir haben einen Auftrag für Dich.

Williams: In Ordnung. Was ist es?
Redakteur: Wir wollen, dass Du nach North Carolina fliegst und einige Tage mit Jeff Hardy verbringst. Wir wollen, dass Du herausfindest was in ihm vorgeht, was in seinem Kopf vor sich geht. Das macht das totale Hineinversetzen in seine Welt notwendig. Es ist mir egal wie lange es dauert, es interessiert mich nicht was Du auf Dich nimmst, finde heraus was in Jeff Hardy's Kopf abgeht.

Williams: Was?? Niemand kann ihn verstehen. Er marschiert zu seinem eigenen Takt. Seit Jeff Hardy das erste Mal zu World Wrestling Entertainment kam, haben die Leute versucht ihn zu verstehen. Er ist ein Mysterium!

Redakteur: Nun, besser Du entschlüsselst dieses Mysterium. Hier ist Dein Flug- ticket. Du fliegst in 5 Tagen. Ich schlage vor, Du verschwindest hier nun und fängst mit etwas Hintergrund-Recherche an. Ich habe ein paar Dinge über ihn gehört. Du wirst vielleicht Orte zu sehen bekommen, die Du Dir nie hättest vorstellen können. Wir wollen Dich nicht mit leeren Händen wiederkommen sehen.

Mit der Gewissheit, dass er es ernst meinte, verließ ich sein Büro und ging direkt in die Bücherei. Ich verbrachte die nächsten Tage vertieft in Bücher und Berichte. Ich habe die großartigen Psychologen wie Freud und Jung studiert. Ich bin in die Soziologieabteilung gegangen um rauszufinden, was solche brillanten Denker wie Comte oder Durkheim vielleicht zum Fall Jeff Hardy zu sagen haben. Ich habe die Arbeiten von führen Anthropologen wie Boas oder Malinowski studiert, Männer die auszogen, um die unbekannten Kulturen auf der ganzen Welt zu verstehen. Nach meiner ganzen Recherche habe ich eins realisiert: Jeff Hardy zu verstehen würde keine leichte Aufgabe werden.

Am Tag bevor ich nach North Carolina aufbrach rief ich Jeff an, um unsere Pläne nochmal zu bestätigen und zu sehen ob ich noch mehr Einblick in die Geschichte des unkonventionellsten WWE Superstars erhalten kann. Jeff war sein normales, zuvorkommendes Selbst.

"Klar Mann, komm vorbei," meinte er. "Was immer Du sehen möchtest. Ich arbeite einfach an meinem Zuhause, spiele mit meiner Band. Komm vorbei."

Ich stellte einige weitere Fragen, doch die einzig brauchbare Information, die ich bekam, war, dass Jeff Hardy's Besitz sich sehr von allem unterscheidet, was ich bisher gesehen hatte und dass er es "Imagi-Nation" nennt.

So kam ich an einem herrlichen Frühlingstag in Cameron, North Carolina an. Die Sonne schien, die Blumenbeete standen in Blüte und auf den Pinien saßen viele Vögel. Das Stadtzentrum war voll mit Familien und Einkaufenden. Es sah aus als wäre Cameron aus einem Norman Rockwell-Gemälde entsprungen.

Als ich mich Jeff Hardy's Grundstück näherte, schien sich die Stimmung in der Luft zu ändern. Wir verließen die Sicherheit und den Komfort von Anytown, USA und begaben uns in etwas Dunkleres und Mystischeres, der "Imagi-Nation".

Jeff hat keine Adresse. Anstatt eines Briefkastens oder nach einer Hausnummer zu suchen wird man von einer 85ft. großen Aluminium Statue, die er Neroammyyy nennt, begrüßt. Das ist aber nur eine der 75 "Aluminummies", die die Imagi-Nation gemeinsam mit einer Reihe Marmor-Statuen, Kletter-Bäumen, Schwimmlöchern, Motorrad-Sprung-Schanzen, sogar einen Südafrikanischen Waschbären und einem Prärie-Hund, bevölkern. Es gibt sogar einen Fluss aus Glasperlen, ein Musik- und Kunst-Studio, einen Video-Aufnahme-Komplex und viele weitere Einrichtungen, die derzeit noch im Aufbau sind, deren Zweck bislang noch nicht entdeckt wurde. Jeff hat seine Imagi-Nation von Grund auf errichtet und alles darin liefert Anhaltspunkte für seine Lebensweise.

Eine bestimmte Aluminummy, ein Gemälde oder Song sagt wenig über den Mann aus. Alles zusammen stellen sie einen ruhelosen Kreativen dar, welcher über alle Gedanken hinaus agieren muss. Wenn Jeff Hardy etwas träumt, muss er es sofort physisch herstellen, egal ob es sich um eine Statute, ein Gemälde, die Landschaft oder ein Musikstück handelt.

In dieser Beziehung ist Jeff Hardy's psychologische Beschaffenheit einigen der produktivsten Handwerkern des 20sten Jahrhunderts sehr ähnlich. In der Literatur gibt es Isaac Asimov & Stephen King, zwei Männer die Hunderte Werke verfasst haben. Musikalisch kann er mit Louis Armstrong, Paul McCartney oder Dr. Dre verglichen werden. Athletisch ähnelt er Julius Erving und Barry Sanders, Männern die vielleicht nicht die meisten Meisterschaften gewonnen haben, aber innovative und anmutige Wettstreiter, die ihren Sport zu einer weiteren Entwicklungsstufe gebracht haben.

Am Ende verbrachten wir dann drei Tage mit dem "Dean of eXtreme" (Doyen des Extremen). In dieser Zeit hat er über 80 Tonnen Dreck mit dem Bulldozer bewegt, drei neue Songs für seine erste CD komponiert, zwei "Aluminummies" erschaffen, schrieb acht Gedichte, bemalte vier Leinwände, installierte drei Hängematten und trank vier Kisten Soda aus. Er hat zudem einen exzellenten Schokoladenkuchen gebacken. Überflüssig zu betonen, dass er nie still saß.

Unsere Unterhaltungen waren recht entspannt und nahmen sehr häufig die Form von einer gedankenfreien Kurzgeschichte an. Jeff interessierte sich für alles, von Musik über Regenwürmer bis hin zur Möglichkeit im Weltall zu leben. Er brannte darauf die derzeitige Situation bei RAW zu diskutieren, was es für ihn bedeuten würde World Champion zu sein und seine persönliche Philosophie, wie man am besten Matches gewinnt. Trotz seines entspannten Verhaltens und seiner sanften Stimme leuchtet sein Kampfgeist und sein Siegeswille hell und stark. Am letzten Tag in der Imagi-Nation rief mich dann mein Redakteur an um zu sehen wie es lief und ob ich in der Lage sei zu verstehen, was in Jeff's Kopf vor sich geht. Nachdem ich etwas Zeit in der ImagiNation verbracht hatte, machte alles irgendwie Sinn und Jeff's Worte und Aktionen waren vollkommen klar und verständlich. Also sagte ich ihm, dass alles großartig laufen würde und wir eine durchbrechende Story hätten.

An diesem Abend dankten wir Jeff für seine Gastfreundschaft und machten uns auf den Weg zum Raleigh-Durham Flughafen, um zurück zu unserem Hauptquartier zu fliegen. Als wir den Boden der Imagi-Nation verließen machte Jeff's Leben absolut Sinn, aber je weiter wir uns von seinem Heim entfernten, desto verschwommener wurde alles. Je mehr ich mit anderen Menschen sprach, egal ob an der Tankstelle oder am Flughafen, desto surrealer wurden meine Erfahrungen in der Imagi-Nation.

Bald setzte Panik ein. Ich hatte meinem Redakteur gesagt, ich hätte Jeff Hardy begriffen. Er erwartete eine Geschichte, und er erwartete eine Erklärung, warum Jeff der ist, der er ist. Was sollte ich tun?

Aus Verzweiflung rief ich den weltbekannten Psychiater Dr. J. Kober-Zehner an. Er hatte bereits diverse WWE Superstars diagnostiziert, vielleicht könnte er mir helfen in Jeff Hardy's Kopf zu gelangen. Leider konnte der gute Doktor nur diese Worte anbieten:

"Ist das Dein ernst? Gib mir jeden Superstar der WWE und ich erstelle Dir ein Profil. Aber Jeff Hardy? Sorry, aber es gibt keinen Psychiater auf der Welt der so kühn wäre ihn zu charakterisieren. Du kannst sagen, er wäre ein freier Geist, ein kreatives Genie, so was wie eine moderne Version von Tesla (Wissenschafter des 19. Jahrhunderts, der sich mit Elektrizität beschäftigt hat), doch die Wahrheit ist, dass 99,9 % der Menschheit niemals in der Lage sein wird zu ergründen was Jeff zu dem macht, der er ist. Der Schlüssel ist, nicht zu versuchen ihn zu ergründen sondern ihn schätzen zu wissen, egal ob im Ring, in den Kopfhörern oder nur auf einem Stück Papier. Nimm ihn einfach an."

Mit großer Angst ging ich am nächsten Morgen ins Büro meines Redakteurs. Er erwartete eine Antwort. Was sollte ich ihm sagen?

Dann traf es mich. Ich hatte die Antwort! Anstatt zu warten, dass er mich in sein Büro rief, ging ich direkt hinein. Ich platzte hinein, als er gerade einen Vorabdruck dieser letzte Ausgabe von "From Pillar to Post", seinem Lieblings-Teil des WWE Magazins, durchsah. Er sah etwas verärgert aus und sagte dann: "Gut, erzähl mir was Du hast." Die nächsten 20 Minuten berichtete ich über Jeff Hardy's Imagi-Nation, eben an alles, woran ich mich erinnern konnte. Ich erzählte ihm von diesen Statuen, den Alumninummies, den Gemälden, dem Fluss aus Glasperlen, die Kanäle, alles.

"Also," antwortete er. "Du hast sein Anwesen beschrieben. Erzähl mit etwas von seiner Denkweise, seinen Gedankengängen, seinen Träumen, seinen Ängsten."

"Begreifst Du nicht," antwortete ich. "Worte können den Mann nicht beschreiben. Psychologische Profile können ihn nicht klassifizieren. Die Imagi-Nation ist eben einfach der physische Inbegriff von Jeff's Denkweise... Jeff ist die Imagi-Nation."

"Raus hier," schrie er." Ich hatte befürchtet das so etwas passiert. Du hast den Verstand verloren. Verschwinde!"

Nichts von meinen Beteuerungen konnte ihn davon überzeugen, dass alles, was ich in Cameron gesehen & gefühlt hatte, begründet war auf die Imagi-Nation, und dass Jeff Hardy einfach die mobile kohlenstoffbasierende Verkörperung der Imagi- Nation ist.

Einige Tage später, als dieser Artikel in den Druck ging, war ich verwirrter als je zuvor. Ich hatte Schwierigkeiten im Umgang mit meinen Kollegen und Freunden, und die Welt erschien als ein sehr verblüffender Ort. Das Lustige daran ist, dass in Cameron alles so klar war.



Übersetzung © 2003 Gillimaus & German Hardy Boyz Fanteam
Den Bericht bitte nicht ohne Quellenangabe auf anderen Seiten verwenden!!


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