• Jeff Hardy - Interview PW 2009

Jeff Hardy und sein Familienduell
Der Wrestler des Jahres im Interview


Jeff Hardy ist von den Power-Wrestling Lesern zum Wrestler des Jahres gewählt worden. Damit ist er in einer elitären Gruppe aufgestiegen: Das schafften seit 2000 nur Superstars wie Triple H oder Stone Cold Steve Austin. Wer Jeff Hardy mal persönlich getroffen hat, wird wissen, dass der beliebte Superstar trotz seines Höhenfluges im Fernsehen privat stets am Boden geblieben ist. Jeff ist derjenige, der sich wirklich immer Zeit für seine Fans nimmt, stets freundlich ist und weiß, wem er seinen Erfolg zu verdanken hat. Entsprechend erfreut war er deshalb natürlich auch, als wir ihm im Februar von seinem Sieg bei den Power-Wrestling-Leserwahlen berichteten.


Jeff: Oh, das hört sich wirklich toll an mit den Awards. Fantastisch! Ich freue mich sehr.

PW: Damit reihst Du Dich hinter großen Gewinnern aus den Vorjahren ein. Der Undertaker war es etwa im letzten Jahr, dazu kommen unter anderem Stone Cold oder Triple H.

Jeff: Cool. Das ist wirklich sehr ehrenwert. Vielen herzlichen Dank.



EIN AUF UND AB: JEFF HARDYS 2008

PW: Wenn wir von den Jahreswahlen sprechen, darf natürlich der Blick zurück auf das Jahr 2008 nicht fehlen. Du warst oft in den Schlagzeilen,teilweise waren es positive Nachrichten, teilweise auch negative. Wie blickst Du aus heutiger Sicht auf das vergangene Jahr zurück.

Jeff: Natürlich gab es eine Menge Höhen und Tiefen, gar keine Frage. Harte Zeiten, aber auch gute Zeiten. Und natürlich gelang es mir bei Armageddon dann e-n-d-l-i-c-h, den WWE Champion-Titel zu gewinnen. Das hatte ich schon so lange versucht. Es hat für mich eine sehr große Bedeutung, eine ebenso große Bedeutung hat das aber auch für all die Leute, die immer an mich geglaubt haben und nie von meiner Seite wichen. Auch während der harten Zeiten standen meine Unterstützer immer voll und ganz zu mir. Was meine Karriere angeht, so bereue ich nichts. Ich kann sehr dankbar sein, eine solche Karriere hingelegt und so viel Glück gehabt zu haben, mich trotz der vielen wilden und verrückten Aktionen, die ich mache, nie wirklich schwer verletzt zu haben. Unterm Strich bin ich froh, an diesem Punkt angekommen zu sein, froh auch, dass es mir gut geht, und natürlich blicke ich jetzt auch mit Zuversicht auf 2009.

PW: Stichwort: verrückte Aktionen. Im Januar 2008 bist Du bei RAW von einer hohen Traverse direkt auf Randy Orton gesprungen. Was geht in einem solchen Moment eigentlich in Deinem Kopf vor?

Jeff: ja, dafür habe ich ja auch den Slammy für den extremsten Moment des Jahres gewonnen. Ich bin jetzt 31 Jahre alt und habe schon viel hinter mir. Aber vor solchen Momenten bemerke ich dennoch immer noch die Schmetterlinge im Bauch und die Nervosität ansteigen. Wenn ich irgendwo runterspringe, schaue ich mir das immer ganz genau an, um auch zu wissen, wie hoch es wirklich ist. Dieses Gerüst war etwas mehr als 10 Meter hoch - das ist schon verdammt unheimlich! Was einem da durch den Kopf geht, ist die Frage, ob man danach wieder aufstehen kann. Sowas macht einen schon Angst. Eine Swanton Bomb zu springen, ist im Prinzip ja leicht für mich. Aber wenn man sie von einem so hohen Punkt springt, dann fürchtet man um das eigene Leben, die Gesundheit. Doch meine Glückssterne standen für mich bisher immer günstig, alles ging gut für mich aus.



DER TITELGEWINN BEI ARMAGEDDON

PW: Ende des Jahres schloss sich da auch der Kreis, da du bei Armageddon wieder ganz oben gestanden bist, nämlich auf der Kulisse im Eingangsbereich - mit dem WWE-Titel in Deinen Händen. Das sah auch verdammt hoch aus.

Jeff: Das war es, und vor allem war die Fläche, auf der man dort stehen konnte, sehr schmal. Dieses Schloss dort bot sich natürlich perfekt an, um den Moment auf diese Art und Weise auskosten zu können. Manche Leute dachten wahrscheinlich, dass ich vor lauter Begeisterung dort auch runterspringen würde. Letzendlich entstanden so auch einige coole Bilder.

PW: 2008 hast Du einige Chancen auf den WWE-Titel erhalten. Immer wieder klappte es nicht, dann - bei der letzten Großveranstaltung des Jahres - hast du das Gold plötzlich doch in Deinen Händen halten können. Was denkt man in einem solchen Moment?

Jeff: Es war so ein Gefühl, dass man weiß, es würde irgendwann passieren, nur der Zeitpunkt war nicht klar. Mein Bruder hatte bereits vor mir den ECW-Titel gewinnen können. Für uns beide war es so eine Art Titelrennen - vorher hatten wir bekanntlich schon die Tag-Team-Titel, die I-C und U.S. Championships gewinnen können. Nur das ganz große Gold war uns beiden bis dahin immer entgangen. Matts Gewinn des ECW-Titels stachelte auch mich an. Und ohne zu einem Zeitpunkt wirklich übermotiviert oder gar arrogant gewirkt zu haben, war ich einfach der Meinung, dass meine Zeit nun auch gekommen war. Nach all diesen Jahren und nach allden Dingen, die ich meinem Körper zugemutet habe, denke ich, dass ich den Erfolg durchaus verdient habe. Knapp über einen Monat hielt ich den WWE-Titel. Es ist natürlich schade, dass es so schnell auch wieder zu Ende ging. Aber selbst wenn ich den Titel kein zweites Mal mehr gewinnen werde, bin ich stolz auf das Erreichte. Immerhin steht mein Name nun in den Geschichtsbüchern als WWE-Champion niedergeschrieben.

PW: Wenige Wochen vor Deinem Titelgewinn warst Du wieder mit der WWE in Europa unterwegs, gleich mehrere Live Events gab es in Deutschland. Es kommt uns so vor, dass die Unterstützung auch hier in Deutschland für Dich noch größer geworden ist. Wie ist da Dein Eindruck?

Jeff: Geliebt und respektiert fühle ich mich immer, wenn ich zu Euch nach Europa rüber komme. Ich habe über die Jahre viele coole Leute kennengelernt und viel Zeit mit den Fans verbracht. Immerhin haben die Fans und auch stets unterstützt. Es wäre also auch ein Unding, wenn wir nicht etwas in Form von Autogrammen und Fotos zurückgeben würden. Bei Euch gibt es eine Menge Kinder, die zu uns hochschauen. Das ist natürlich hier bei uns in den USA ganz genauso. Die Atmosphäre ist in Europa immer einzigartig. Die Energie, die dabei entsteht, hilft mir, im Ring noch besser zu sein. Ein wenig mehr Adrenalin wird freigesetzt, damit ich mein Ding im Ring durchziehen kann.



VERGLEICHE MIT EINER ANDEREN BERÜHMTEN WWE-BRUDERFEHDE

PW: Nun müssen wir natürlich noch auf deinen Bruder Matt zu sprechen kommen. Wie siehts Du ein wohl bald anstehendes Match mit ihm?

Jeff: Es ist etwas, das ich wirklich machen möchte. Als wir beide aufwuchsen, waren wir riesige Fans von Brett und Owen Hart. Ich erinneremich noch gut daran, wie es war, als ein Match zwischen Brett und Owen bei einer Großveranstaltung bevorstand. Da war ich vorher wirklich total aufgeregt. Ich konnte das immer nachvollziehen, wenn sich Brüder gegenüberstanden. Im wahren Leben ist es ja schließlich auch so, dass Geschwister mal aneinandergeraten. Das Match mit Matt will ich auf jeden Fall - das muss es jetzt einfach geben. Noch weiß ich nicht, wann oder wo es zum ersten Mal passieren wird, doch sicher ist, dass es kommen wird. Und ich freue mich drauf.

PW: Würdest Du dich eher mit Bret oder Owen vergleichen?

Jeff: Das ist sehr schwierig zu sagen, denn eigentlich würde ich mich keinesfalls mit Bret vergleichen. Ich bin wohl eine ganz andere Person als er. Wenn es darum geht, wer Publikumsliebling und wer der Bösewicht ist, dann wäre ich natürlich schon in der Rolle von Brett, Matt in der rolle von Owen. Aber wir werden letztendlich nur wir selbst sein. Wir werden etwas wirklich neues bieten!

PW: Welche Wrestler hast Du damals denn außerdem noch gerne im Fernsehen gesehen?

Jeff: Dort, wo wir aufwuchsen, gab es auch sehr viel WCW im Fernsehen. Ich war ein großer Fan vom Ultimate Warrior, aber auch von Sting. Die Wrestler mit Gesichtsbemalung haben mich immer besonders fasziniert. Auch ein Papa Shango - all diese Charaktere, die herausstachen. Zudem Leute wie Hulk Hogan und Ric Flair, die Vorbilder waren. Als ich älter wurde und langsam lernte, wie Wrestling funktionierte, war Shawn Michaels einer meiner Favoriten und eine wirkliche Inspiration.

PW: Bereits vor Jahren gab es ja schon Leute, die in Dir den nächsten Shawn Michaels gesehen haben. Was denkst Du über solche Vergleiche? Oh, wow, das ist natürlich eine große Ehre. Dennoch hatte ich immer die grundlegende Einstellung, dass ich nicht der neue Wrestler A oder B sein möchte, sondern der erste und einzigartige Jeff Hardy.



JEFF UND DAS THEMA GESICHTBEMALUNG

PW: Gerade hast Du die Wrestler mit den Gesichtsbemalungen erwähnt. Etwas ähnliches haben wir ja auch kürzlich bei Dir wieder gesehen. Was hat Dich dazu getrieben, auch mit einem gemalten Gesicht aufzutreten.

Jeff: Es geht einfach darum, eine andere Seite von Jeff Hardy zu zeigen. Es ist im Prinzip eigentlich keine allzu große Veränderung, außer, dass ich etwas anders aussehe. Wann immer man sich so bemalt, gibt es Leute, dich nach dem Sinn dahinter fragen. Muss man aber wirklich auch immer eine Begründung dafür haben, so etwas zu machen? Ich bin ein Künstler und ich bin andauernd mit dem Malen beschäftigt. Ich versuche immer auch anders als die anderen zu sein. Und das ist es, was ich hiermit bezwecken will - ich will einzigartig sein. Wir haben ja hier auch den Boogeyman, der die Gesichtsbemalung hat. Ich trage sie aber nur auf, wenn ich auch wirklich Lust darauf verspüre. Sonst trete ich halt ganz normal vors Publikum. Das gehört zu meiner rätselhaften Persönlichkeit als das Enigma.

PW: WrestleMania steht nun vor der Tür. Dazu eine generelle Frage. Trittst du lieber vor dem Riesenpublikum einer solchen Veranstaltung auf, oder bevorzugst Du es etwas überschaubarer, etwa bei einem WWE Live Event?

Jeff: Weißt du, es ist schon eine ganz besondere Ehre, etwa vor 70.000 Fans aufzutreten. Gleichzeitig ist es aber auch ein komisches Gefühl. Es ist schon fast leise, wenn man dort im Ring steht, weil es einfach so riesengroß ist und die Stimmung nicht immer auch bei uns ankommt. Wenn man in die Halle kommt und die Sitzreihen weit weg sind, hört man die Fans nicht so laut. Aber davon einmal abgesehen ist es natürlich absolut cool sagen zu können, dass man vor so vielen Menschen ein Match bestritten hat.

PW: Nach WrestleMania kommt dann natürlich die Tour. Wir werden dich hier wieder live sehen können, unter anderem in Köln und Wien. Auf dem Programm steht ein Tag-Team-Match: Gemeinsam mit dem Undertaker wirst du gegen Big Show und Deinem Bruder Matt antreten. Was erwartet uns?

Jeff: Ich freue mich schon sehr darauf, besonders weil ich mit dem Deadman hier im Team antreten werde. Das ist ein Main Event, den man nicht verpassen möchte. Besonders nicht, wenn ich dann auch bei euch in Europa mein Problem mit Matt im Ring ausfechten kann. Wir werden alles geben, mit dem Undertaker und Big Show im Ring wird es gigantisch. Tolle Abende stehen bevor!



Christian Bruns & Marcus Holzer

©Power Wrestling Magazin, Ausgabe 03-2009



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