| • Exist 2 Inspire - Review | ||
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Autobiografie in Motion The Hardy Boyz: Exist 2 Inspire> Credit: Power-Wrestling Magazin Ausgabe Juni 2003 Text: Christian Rogalla Zusammenfassung Vor nicht allzu langer Zeit bildeten die Hardyz bei World Wrestling Entertainment eines der erfolgreichsten Tag Teams. Mit legendären TLC Matches (TLC = Tables, Ladders and Chairs) gegen Edge & Christian sowie die Dudley Boyz schrieben sie sogar ein kleines Stück Wrestling-Geschichte. Nachdem Jeff Hardy gegen Ende April entlassen wurde, kann man nur noch Matt Hardy im WWE-TV bewundern. Wie die Hardy Boyz ihr bisheriges Leben in und außerhalb des Rings verbrachten, haben die Brüder in "Exist 2 Inspire" ausführlich beschrieben. Das seit dem 18. März 2003 erhältliche Buch besteht aus drei großen Kapiteln (Boyz Life, Top of the World und Moments of Truth), welche noch einmal in viele kleinere Abschnitte unterteilt sind. Es ist beinahe so wie ein ultralanges Interview geschrieben. Matt und Jeff Hardy greifen verschiedene Lebensabschnitte oder Themengebiete auf und wechseln sich wie in den guten, alten Tag Team Zeiten mit ihren Ausführungen gegenseitig ab. Trotz der Teamarbeit fällt einem sofort ins Auge, dass Matt den größten Teil des Buches geschrieben hat. Seine Erzählungen sind teilweise sogar doppelt so lang wie die des drei Jahre jüngeren Bruders. Unterstützung bei den verschiedenen Ausformulierungen gab es von Co-Auto Michael Krugman. Im ersten Kapitel, "Boyz Life", erfährt der Leser genau, wie die Hardy Boyz auf einer kleinen Tabakfarm in Cameron, North Carolina, aufwuchsen und welchen Unfug sie während ihrer Jugend anstellten. Erschüttert wurde das beschauliche Familienleben vom frühen Tod der Mutter. Ruby Moore Hardy erlag einem Gehirntumor, als Matt & Jeff kurz vor dem Erreichen des Teenager-Alters standen. Das war eine schwere Zeit für alle Beteiligten. Den Brüdern fehlte zweifelsohne die Mutter. Vater Gilbert Hardy stand plötzlich mit der Erziehung seiner Söhne, die beide manchmal richtige Bengel sein konnten, alleine da. Nachdem Gilbert Hardy den Tod seiner Frau verarbeitet hatte, lernte er eine neue Frau namens Shirley kennen, was Matt und Jeff damals natürlich überhaupt nicht in den Kram passte, da sie eine Ersatzmutter strikt ablehnten. Heimlich begannen sie Shirley zu schikanieren. Matt Hardy hämmerte unbehelligt Nägel in die Reifen ihres Wagens, und Jeff warf eines Tages Dreck in den Autotank. Obwohl Jeff dies damals nie zugab, wusste Gilbert von Anfang an Bescheid. Die Strafe bekam Jeff gleich am nächsten Morgen deutlich zu spüren, als ihn der Vater um 4:30 Uhr in der Früh, drei Stunden vor Schulbeginn, an der Schule ablieferte. Also genügend Zeit, um über das nachzudenken, was man angestellt hatte. Der Weg zu World Wrestling Entertainment Der Großteil des Buches beschäftigt sich damit, wie die Hardy Boyz den Weg zur WWE fanden. Bevor sie das Wrestling-Fieber packte, waren die Jungs begeisterte Baseballspieler. Jeff ist dazu schon immer ein leidenschaftlicher Motocrossfahrer gewesen, und er bekam schon mit 13 Jahren vom Vater eine gebrauchte Yamaha YZ-80 geschenkt. Später kaufte er ihm sogar eine brandneue Suzuki RM-125. 1987/1988 ging es mit dem Wrestling dann allmählich los. Ein zu Weihnachten erhaltenes Trampolin wurde von Matt und Jeff spontan zu einem Wrestling-Ring umfunktioniert. Beide machen in Exist 2 Inspire keinen Hehl daraus, dass sie damals Backyard Wrestling betrieben. Ohne zuvor ein fachgerechtes Training durchlaufen zu haben, ahmten sie die im TV gesehenen Wrestling-Aktionen in ihren Fantasy-Kämpfen nach. Sie kreierten Wrestling-Charaktere wie beispielsweise High Voltage (Matt) sowie Willow the Wisp (Jeff) und gründeten auf dem gleichen Weg ihre eigenen Wrestling-Ligen. Die bekannteste hiervon dürfte später zweifelsohne O.M.E.G.A ("Organization of Modern Extreme Grappling Arts") gewesen sein. Deren Videos werden unter Liebhabern bis heute heiß gehandelt. Nicht zuletzt daher, weil hier noch viele andere bekannte Namen wie Shane Helms (The Hurricane), Shannon Moore, The Dupps, Joey Matthews, Christian York sowie Joey Abs ihre ersten Gehversuche als Wrestler unternahmen. Neben den eigenen Shows absolvierten die Hardy Boyz zwischendurch immer wieder Auftritte in Independent-Ligen. Dort lernten sie auch den "Italien Stallion", einen ehemaligen NWA Wrestler, kennen, der gute Kontakte zur WWE besaß und so den Hardyz zu einigen Jobber-Kämpfen (gegen Razor Ramon, 1-2-3 Kid sowie Nikolai Volkoff) verhalf. Damit die Hardyz für die WWE antreten konnten, waren aber auch einige Tricks notwendig. So schummelte Jeff zum Beispiel bei der Angabe seines Geburtsdatums um 2 Jahre, da er mit 16 eigentlich gar nicht in einen WWE-Ring hätte steigen dürfen. So sehr Matt & Jeff Hardy heute dem Italien Stallion für die Kontaktherstellung zur WWE dankbar sind, so sehr hatte er sie damals auch hoffnungslos ausgenommen. Hier ein Beispiel: von den pro Kopf eingenommenen 150 Dollar kassierte der Italien Stallion wieder von jedem Wrestler 100 Dollar als Vermittlungsgebühr ein. Damit blieben jeweils gerade mal 50 Dollar pro Abend. Die WWE wusste nichts. Erst als die Hardyz dem WWE-Agenten Chief Jay Strongbow davon erzählten, wurde man auf die nicht übliche Praxis aufmerksam. Ab sofort rief Strongbow sie immer direkt Zuhause an, womit die vorher vom Italien Stallion eingezogene Vermittlungsgebühr zukünftig entfiel. Im Nachhinein erscheint es fast unglaublich, dass Matt und Jeff Hardy bis zu ihrer endgültigen Festeinstellung bei WWE im April 1998 nie zuvor eine professionelle Schule, in der einem sämtliche Grundlagen des Wrestlings vernünftig beigebracht werden, besucht haben. Die sogenannten Basics lernten sie nämlich erst 1998 in mehreren von der WWE organisierten Camps von Funkin' Dojo, wo sie zusammen mit etlichen anderen Neueinkäufen unter der Anleitung von Dory Funk Jr. und Bruce Prichard wochenlang trainierten. Einer der Neueinkäufe war Kurt Angle, der damals gerade erst aus dem Amateurringerlager zu den Profis wechselte. Während einer Trainings-Session stellte Matt Hardy ganz schnell fest, dass Angle keine Chops kannte und er ihn nach jedem Chop völlig geschockt anschaute. (Dazu sollte man wissen, dass die mit der flachen Hand durchgeführten, klatschenden Schläge auf die Brust wirklich schmerzen und den Oberkörper richtig schön rot werden lassen. Letztendlich gehören sie allerdings zum Wrestling-Alltag und sind damit praktisch Gewöhnungssache.) Als alle im Camp merkten, dass Kurt Angle überhaupt kein Freund dieser Aktion war, machten sie sich einen Spaß daraus und bearbeiteten ihn in jedem Match fast nur noch mit Chops. Nicht alles eitel Sonnenschein - Hardyz üben auch Kritik Im zweiten und dritten Kapitel des Buches schildern Matt & Jeff unter anderem ihre Erfolge in der WWE, wobei man hier nach den anfangs recht privaten Fotos aus der Kindheit nun auch etliche wunderschöne Action-Fotos aus den Matches zu sehen bekommt. Die ausführlichen Match-Beschreibungen in dem Buch sind dagegen für manche Geschmäcker vielleicht etwas zu lang geraten. Interessanter erscheinen da schon die Erzählungen von den Geschehnissen, die außerhalb des Rings abgelaufen sind. "Exist 2 Inspire" ist hier so offen und ehrlich, wie es bei einem unter der Aufsicht von World Wrestling Entertainment stehendem Buch nur möglich ist. Man merkt ganz schnell, wen Matt und Jeff alles mögen und wen nicht. Mit wem sie bisher gerne zusammengearbeitet haben und mit wem sie sich schwer taten. Als echte Freunde bezeichnen sie Shannon Moore, Shane Helms sowie Edge und Christian. Dazu kommt in Matt's Fall natürlich noch seine Lebenspartnerin Lita, der mehrere Seiten gewidmet wurden, auf denen Matt zum einen beschreibt, wie diese sich im Laufe der Jahre immer näher kamen, und zum anderen die ganze Dramatik schildert, die sich im vergangenen Jahr rund um Lita's Nackenverletzung abgespielt hat. Jeff hat seine große unbekannte Liebe namens Beth ebenfalls nicht vergessen zu erwähnen. Viel erfährt der Leser über sie jedoch nicht. Außerdem hätten sich die Fans bestimmt über ein leider im Buch nicht enthaltenes Foto der Freundin gefreut. Das hat sicherlich einen guten Grund. Trotzdem ist es natürlich etwas schade. Road Agent Michael Hayes, der die Hardy zu Beginn ihrer WWE-Karriere vor und hinter der Kamera begleitete, scheint wiederum eindeutig nicht zum favorisierten Freundeskreis zu zählen. Obwohl Hayes sich oft beim Office für einen Push der Hardyz in den Storylines einsetzte, gestaltete sich das Zusammenleben mit ihm als schwierig. Wie sich Jeff Hardy immer weiter vom Wrestling entfernte Einem bösen Gerücht tritt Jeff Hardy in "Exist 2 Inspire" energisch entgegen. Jeff bestreitet Drogen zu nehmen, geschweige denn drogenabhängig zu sein. "Es hat mich so wütend gemacht, als sie anfingen, mich zu behandeln, als würde ich ein Drogenproblem haben. Meine Performance im Ring hat sich doch nicht geändert, ich bin lediglich einige Male zu spät zur Arbeit erschienen! Die Leute stellten fest, dass ich mein Interesse am Wrestling verlor und ich mich zunehmend mit meiner Musik beschäftigte - also dachten sie sofort: Jeff Hardy nimmt Drogen." Gleichzeitig räumt Jeff allerdings ein, mit Drogen schon einmal, so wie er schreibt, experimentiert zu haben. Im Buch beschränkt er sich hier auf seine Erfahrungen mit Painkillers (Schmerzmitteln): "Ich will ehrlich sein - ich habe schon mal mit Drogen experimentiert. Ich habe Schmerztabletten eingenommen. Sie helfen den Schmerz abzuschwächen, erst recht wenn mir mein Rücken höllisch wehtut. Die Wirkung hält aber nicht lange an. Eine Stunde später ist der Schmerz wieder da. Viele der Jungs mixen die Tabletten gerne mit Alkohol, aber das ist mir viel zu gefährlich. Außerdem hasse ich Alkohol." Wer "Exist 2 Inspire" schon gelesen hat, der wird sich im Nachhinein kaum über die Vertragsauflösung von Jeff Hardy im April 2003 wundern. Obwohl das Buch weit vor der Entlassung entstand, wird genau geschildert, wie Jeff die Jahre über zunehmend seine Leidenschaft für das Wrestling-Business verlor und sich statt dessen immer mehr in seine Gedichte, Aluminium-Skulpturen und die Musik vertiefte. Ein Gedicht sowie ein Songtext sind mit "H-A-R-D-WHY" und "September Day" sogar im Buch abgedruckt. Das völlige Gegenstück zu Jeff bildet der ältere Bruder Matt, welcher die Jahre über immer ehrgeiziger wurde und für den neben seiner Lita und dem Wrestling nichts mehr anderes zu existieren scheint. Jene völlige Hingabe für das Business beginnt sich langsam auszuzahlen, denn das von ihm entwickelte Mattitude-Gimmick findet immer mehr Fans. Fazit Wer in den vergangen Jahren die interessante Karriere der Hardy Boyz neben dem Fernseher intensiv über das Internet verfolgt und dabei fast jedes Interview gelesen hat, sowie noch die DVD "Leap of Faith" besitzt, der wird im Buch vielleicht nicht mehr ganz so viele Informationen über das unterschiedliche Brüderpaar entdecken. Trotzdem kann man jedem Fan von Matt und Jeff dieses Buch (Sprache: englisch) wärmstens empfehlen. Eine ausführlichere Zusammenfassung über das bisherige Leben und die Karriere der Hardy Brüder (inkl. ihrer ganz persönlichen Ansichten) findet man zur Zeit sonst nirgendwo anders. Weiter zum 1.Kapitel © 2008 Power Wrestling Magazin | ||
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